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Pressestimmen

 

Artikel G&G Spezial 4/2013: Bei Herzinfarkt vorbildlich versorgt

Artikel aus dem "Tagesspiegel" vom 29.11.2011: Bei Herzinfarkt vorbildlich versorgt

Gemeinsame Presseerklärung von Berliner Herzinfarktregister e.V. und der Ärztekammer Berlin, Berlin , 20. Sept. 2010:

      Erstklassige medizinische Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin durch kollektives Lernen

Ausschnitt aus der Bild vom 21.09.2010: Berliner sterben seltener an Herzinfarkt

Artikel aus der Berliner Ärzte11/2010 (pdf): Qualitätssicherung für Herzinfarktpatienten

Artikel aus der Berliner Ärzte11/2010 (pdf): Herzinfarktregister: Mehr Patientensicherheit durch kollektives Lernen

Ausschnitt aus einem Bericht des Rundfunk Berlin-Brandenburg vom 24.2.2010: Herzinfarkt nicht nur Männersache

Artikel aus der Berliner Ärzte1/2009 (pdf): Exzellente Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin

Ausschnitt aus der Welt vom 18.11.08:  Berliner Herzmedizin ist Spitze

Ausschnitt aus der Ärzte Zeitung vom 18.11.08: Bei Herzinfarkt stehen in Berlin die Chancen gut

Ausschnitt aus dem Deutschen Ärzteblatt vom 17.11.08: Herzinfarkt: In Berlin niedrigste Sterberate deutschlandweit

Ausschnitt aus dem Berliner Tagesspiegel vom 30.05.06

Ausschnitt aus dem Berliner Tagesspiegel vom 23.11.04

 


3. Preis beim Berliner Gesundheitspreis 2013

Infarktversorgung - Wenn jede Minute zählt

Artikel G&G Spezial 4/2013

Bei Herzinfarktpatienten geht es oft um Leben und Tod. Damit sie die bestmögliche Therapie erhalten, haben Kardiologen in Berlin ein Herzinfarktregister initiiert, in dem die Versorgungsdaten aus 19 Kliniken gesammelt und auf Verbesserungschancen abgeklopft werden.

Bei einem Herzinfarkt kommt es auf jede Minute an. Am größten sind die Heilungschancen, wenn der Patient nach internationalen medizinischen Leitlinien versorgt wird. Doch werden die auch umgesetzt? Aufgrund dieser Frage, die sich Kardiologen in Berlin stellten, entstand 1998 das Berliner Herzinfarktregister (BHIR). 

Beachtliches Wissen. Die 19 teilnehmenden Kliniken erfassen in einem pseudonymisierten Fragebogen alle Daten, die für die Versorgung von Herzinfarktpatienten wichtig sind, etwa die Art des Infarkts, eventuelle Vorerkrankungen sowie Angaben zu Therapie und Medikation. Die gesammelten Daten werden an die BHIR Datenzentrale an der Technischen Universität Berlin übermittelt. Seit seiner Gründung wurden so die Daten von 26.000 Herzinfarktpatienten erfasst und analysiert. „Ein vergleichbares Register, das regionale Daten über einen so langen Zeitraum kontinuierlich erhebt, gibt es in Deutschland nicht“, sagt Dr. Birga Maier, Vorstandsmitglied des BHIR. Das Wissen, das dabei zusammengetragen wurde, ist beachtlich. Doch wie kann es die Qualität der Versorgung verbessern? Die beteiligten Krankenhäuser erhalten Jahresberichte, die ihnen ihre Behandlungsqualität im Vergleich zu den anderen Teilnehmern widerspiegeln. Darüber hinaus vergleicht das BHIR die Daten der einzelnen Krankenhäuser auch untereinander. „Wir erheben und analysieren aber nicht nur Daten, sondern agieren auch als Netzwerk. Den teilnehmenden Kliniken bieten wir ein Forum, um konstruktiv über die Ergebnisse unserer Analysen zu diskutieren“, so Birga Maier. „Die wichtigste Voraussetzung dafür ist das Vertrauen, das zwischen unseren Mitgliedern im Laufe der Jahre entstanden ist.“ Im Rahmen des BHIR sprechen die Kliniken trägerübergreifend über Versorgungsprobleme und Initiativen für Verbesserungen. „Der gemeinsame Nenner beim Austausch in dieser Runde ist die bestmögliche Patientenversorgung, - trotz bestehender Konkurrenzsituation. Diese Diskussionen sind ein Grundpfeiler unserer Arbeit“, erklärt Medizinerin Maier. Dabei geht es auch um Fragen, die alle Kliniken betreffen: Etwa warum Frauen im Krankenhaus häufiger an einem Herzinfarkt sterben als Männer oder wie die stationäre Versorgung außerhalb der regulären Dienstzeit der Ärzte aussieht. Die Antworten trägt das BHIR auf Kongressen vor und veröffentlicht sie in Fachzeitschriften.

Neue Ziele. Die Entwicklung seit 1999 zeigt, dass die leitliniengerechte Therapie nach einem Herzinfarkt in den Berliner Krankenhäusern zugenommen hat, während die Sterblichkeit im gleichen Zeitraum zurückging. Momentan stehen die Kliniken und das BHIR vor der nächsten Herausforderung: Laut einer 2012 veröffentlichten Leitlinie beträgt der kritische Zeitraum zwischen der Klinikaufnahme eines Patienten und der Wiedereröffnung verschlossener Gefäße weniger als 60 Minuten. Datenanalysen des BHIR zeigen, dass dieses Ziel am ehesten erreicht wird, wenn ein Notarzt den Patienten erstversorgt und er während der Regelarbeitszeit in der Klinik aufgenommen wird. „Deshalb müssen die logistischen Abläufe außerhalb der Regelarbeitszeit verbessert werden“, formuliert Birga Maier die Schlussfolgerung. Das BHIR hat bereits ein Projekt auf den Weg gebracht, um den kritischen Zeitraum zum Wohle der Patienten zu verringern.

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Artikel aus dem "Tagesspiegel" vom 29.11.2011

Bei Herzinfarkt vorbildlich versorgt

Das Berliner Herzinfarktregister hilft, die Behandlung zu verbessern. Obwohl jede Minute zählt, zögern noch immer zu viele, im Verdachtsfall sofort 112 zu wählen.

Rosemarie Stein, Tagesspiegel vom 29.11.2011

Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Weiß das heute nicht jeder? Nein. Außerhalb des Krankenhauses sterben am Infarkt doppelt so viele wie in in der Klinik. Und doch zögern Betroffene und Angehörige, im Verdachtsfall sofort 112 zu wählen, die lebensrettende Nummer der Feuerwehr. Die heißt noch immer so, obwohl etwa in Berlin nur noch zwei Prozent ihrer Einsätze einem Feuer gelten. 80 Prozent aber sind medizinische oder psychosoziale Notfälle, und bei fast einem Drittel dieser Notrufe geht es ums Herz.

Erst jetzt aber luden das – bundesweit fortschrittliche – Berliner Herzinfarktregister, der Feuerwehr-Rettungsdienst und die Ärztekammer Berlin zu einer gemeinsamen Tagung.

Gegründet wurde das Herzinfarktregister vor elf Jahren auf Initiative von Herzspezialisten und Kliniken, der Technischen Universität und der Ärztekammer. Mitglieder sind die meisten großen Krankenhäuser der Stadt. Gesammelt und ausgewertet werden Daten zur Klinikversorgung von Herzinfarktpatienten, bis Ende 2010 mehr als 23 000. Die Erkenntnisse bilden nicht nur die Grundlage vieler Studien, sondern fließen auch direkt in die Therapie ein.

Die Ärzte wollen die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr verstärken. In deren Rettungsleitstelle wird beim Notruf der Zustand des Kranken nach genau vorgeschriebenem Fragenkatalog registriert. Wenn nötig, werden die Angehörigen telefonisch zu Erste-Hilfe-Maßnahmen (etwa Herzdruckmassage) angeleitet, berichtete Stefan Poloczek, Ärztlicher Leiter des Feuerwehr-Rettungsdienstes.

Bei Infarktverdacht holt den Kranken eines der 20 Notarztfahrzeuge ab. Sie sind sehr gut ausgestattet und mit erfahrenen Ärzten besetzt. Sie können mit der rettenden Therapie schon unterwegs beginnen und die schnelle Versorgung in der geeigneten (nicht einfach der nächsten) Klinik in die Wege leiten. Auch hierin geht Berlin voran: Seit 15 Jahren können sich Ärzte hier für die Zusatzbezeichnung „Rettungsmediziner“ qualifizieren.

Falls eins der knappen Notarztfahrzeuge nicht sofort verfügbar ist, kommt zunächst ein „normaler“ Rettungswagen mit Feuerwehrleuten, die zwei Jahre lang als Rettungssanitäter ausgebildet wurden. Sie können auch mit dem Defibrillator umgehen, der hier schon 1985 eingeführt wurde. Dank der damit möglichen Wiederbelebung überstehen jetzt 20 Prozent der Patienten mit (häufig nach Herzinfarkt auftretendem) Kammerflimmern sogar einen Herzstillstand.

Nur jeder zweite oder dritte Patient, der mit starken Brustschmerzen den Notruf 112 wählt, hat tatsächlich einen Herzinfarkt, sagte Martin Möckel, Charité-Notfallmediziner. Die Charité hat eine „Chest Pain Unit“, eine Brustschmerzeinrichtung, die darauf spezialisiert ist, Herzinfarkte von anderen, teils ebenfalls schwerwiegenden Ursachen eines starken Schmerzes im Brustkorb zu unterscheiden. Trotzdem gilt: Der Patient muss immer zunächst 112 wählen, darf nicht erst den Hausarzt rufen. Diese lebensgefährliche Verzögerung ist laut Möckel selbst bei eindeutigen lnfarktzeichen immer noch zu beklagen.

Wie ergiebig die Patientendaten aus dem Infarktregister sind, zeigte Birga Maier von der Datenzentrale. So gut wie alle Infarktpatienten, die ihr Einverständnis erklären, werden nach dem Stand der medizinischen Erkenntnisse „leitliniengerecht“ behandelt, ergaben die Erhebungen. Das heißt, so rasch wie möglich wird die durch einen Blutpfropf verschlossene Herzkranzarterie mit einem Ballonkatheter wieder durchgängig gemacht.

Die mittlere Sterblichkeit am Herzinfarkt ist, wie das Register zeigt, 2009/10 in den beteiligten Kliniken auf 7,1 Prozent gesunken. Außerhalb der Kliniken wird sie mit 14,6 Prozent angegeben, wäre also doppelt so hoch. Nach der offiziellen Berliner Statistik lag sie 2009 im Durchschnitt aller Berliner Krankenhäuser bei 9,2 Prozent – wenn die Zahlen nicht trügen.

In Berlin gab es nämlich jahrelang nach der offiziellen Statistik der Behörden scheinbar kaum Infarkttote. Das fiel erst auf, als die Statistikämter Berlins und Brandenburgs zusammengelegt wurden. Da hatte Brandenburg plötzlich fast keine lnfarkttodesfälle mehr. Warum? Weil nun, wie in Berlin, nicht mehr der Herzinfarkt als Todesursache eingetragen wurde, sondern der Bluthochdruck, einer der Risikofaktoren des Infarkts.

Die am Register beteiligten Kliniken erfahren durch einen 30-seitigen Berichtsbogen genau, was sie tun und wo sie im Vergleich zu den anderen stehen. Das wirkt. Den Kardiologen war zum Beispiel nicht bewusst, dass sie Frauen (die einen Infarkt durchschnittlich mit 75 bekommen, sieben Jahre nach den Männern) weniger intensiv behandeln als Männer. Das hat sich durchs Register geändert.

Auch die Qualitätsschwankungen zwischen den einzelnen Register-Kliniken haben sich reduziert. Das ergab ein detaillierter Vergleich der Registerdaten durch Karl Wegscheider (Universität Hamburg). Die Ergebnisse der einzelnen Krankenhäuser bleiben allerdings anonym. Verbessert hat sich auch das Gesamtniveau der stationären Infarktbehandlung so, dass man in allen kardiologisch arbeitenden Berliner Krankenhäusern heute beim Herzinfarkt optimal versorgt ist. Man muss sich nur sofort hinbringen lassen: 112 wählen – jede Minute zählt!

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Gemeinsame Presseerklärung von Berliner Herzinfarktregister e.V. und der Ärztekammer Berlin, Berlin , 20. Sept. 2010

    päk 13-2010 

 

Erstklassige medizinische Versorgung

von Herzinfarktpatienten in Berlin durch kollektives Lernen

 

Berliner Herzinfarktregister feiert zehnjähriges Bestehen

 

 

Seit zehn Jahren ist die Versorgung von Berliner Herzinfarktpatientinnen und -patienten kontinuierlich verbessert worden. Durch die Arbeit der im Berliner Herzinfarktregister (BHIR) organisierten Kliniken konnte die Sterblichkeit dieser Patienten von 12,2% in den Jahren 2000/2001 auf 6,2% in 2007/2008 gesenkt werden. „Dieses außergewöhnliche Engagement der Berliner Kardiologen für Qualitätssicherung hat die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nachweislich verbessert“, erklärte der BHIR-Vorsitzende Professor Dr. med. Heinz Theres anlässlich des am Montag gefeierten zehnjährigen Bestehens. Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz, der das BHIR seit seiner Gründung umfassend unterstützt, ergänzte: „Das Herzinfarktregister ist ein Paradebeispiel dafür, wie durch Zusammenarbeit und strukturiertes Lernen aus dem Alltag die Patientenversorgung systematisch verbessert werden kann. Durch dieses systematische Bewerten der im Rahmen des BHIR gesammelten Daten lernen die Berliner Kardiologen kollektiv.“ Dies sei umso bemerkenswerter, da es sich beim BHIR um ein freiwilliges Forum handele, wo sich Kolleginnen und Kollegen offen austauschten, die sich sonst eher als Konkurrenten sähen, fügte Theres hinzu.  

Im BHIR wurden seit seiner Gründung die Daten zur stationären Therapie von inzwischen mehr als 20.000 Herzinfarktpatientinnen und -patienten gesammelt und gemeinsam ausgewertet. 23 Berliner Kliniken, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen, nehmen in der nunmehr dritten Erhebungsphase teil. Mit Hilfe der Daten werden Versorgungsabläufe dokumentiert und qualitätssichernde Elemente in den Klinikalltag eingeführt. Dabei steht der Nutzen einer Therapie für den Patienten im Vordergrund. „Die notärztliche Erstversorgung und die stationäre Versorgung spielen eine herausragende Rolle, da es sich beim akuten Herzinfarkt um einen stationär zu behandelnden Notfall handelt“, erklärte Dr. med. Birga Maier, Leiterin der an der TU Berlin beheimateten wissenschaftlichen Dokumentationsstelle des BHIR.

Die gute Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin lässt sich an 3 Faktoren festmachen:

Flächendeckende Versorgung (Strukturqualität)

Berlin bietet aktuell eine beeindruckende, flächendeckende Infrastruktur zur stationären Behandlung von Herzinfarktpatienten (Stand Sept. 2010):

·         37 Kliniken mit Akutversorgung von Herzinfarktpatienten,

·         18 Notarzteinsatzfahrzeugstützpunkte, davon 15 Standorte an Kliniken,

·         20 Kliniken mit Kathetermessplätzen (inkl. DHZB)

Leitliniengerechte Versorgung (Prozessqualität)

Für die Behandlung von Herzinfarktpatienten (ST-Hebungsinfarkte) existieren seit Ende 2000 international akzeptierte Leitlinien, anhand derer die Qualität der Versorgung gemessen werden kann. Diese werden in den Berliner Kliniken umgesetzt. Zu den Leitlinien bei Infarkt mit ST-Hebung im EKG gehört die Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, die in Berlin inzwischen zu 88% praktiziert wird, wobei ein großer Teil der verbleibenden Patienten entweder die Behandlung aus Altersgründen abgelehnt hat oder medizinische Kontraindikationen zeigte. Zweiter Baustein ist eine Begleit- und Entlassungsmedikation mit bis zu 4 Medikamentensubstanzgruppen, die über 85% der Patienten bei Entlassung verabreicht wurde.

Sinkende Krankenhaussterblichkeit (Ergebnisqualität)

In den am BHIR teilnehmenden Kliniken ist die Krankenhaussterblichkeit am Herzinfarkt in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 12,2% (1999/2000) auf 6,2% (2007/2008) gesunken. Für Hochrisikogruppen (z.B. ältere Patienten, Patienten mit Diabetes mellitus, Patienten im Schock bei Klinikaufnahme), die von der leitliniengerechten Therapie am meisten profitieren, bei denen die Eingriffe gleichzeitig aber auch am riskantesten sind, ist der Rückgang der Sterblichkeit noch beeindruckender: So ging bei Patienten über 80 Jahren die Krankenhaussterblichkeit von 30,7% (1999/2000) auf 15,0% (2007/2008) zurück.

Weitere Informationen:

 ÄRZTEKAMMER BERLIN

Pressestelle

Sascha Rudat

Tel. 030/40 80 6-4100

E-Mail: s.rudat@aekb.de

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Bild, 21.9.2010        

                                                                 Berliner sterben seltener an Herzinfarkt

BILD, Dienstag, 21. September 2010

Berlin (dpa/bb) - Immer weniger Berliner sterben an einem Herzinfarkt. Die Todesrate derjenigen, die mit dieser Diagnose in eine Berliner Klinik eingeliefert wurden, konnte im vergangenen Jahrzehnt von 12,2 Prozent allein bis 2008 auf 6,2 Prozent halbiert werden. Das meldete das Berliner Herzinfarktregister am Dienstag zu seinem zehnjährigen Bestehen. Bei Hochrisikopatienten, die älter sind oder etwa Diabetes haben, ging die Zahl der Krankenhaussterbefälle sogar noch stärker zurück: Bei den über 80- Jährigen sank sie von 30,7 Prozent auf 15 Prozent.

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Rundfunk Berlin-Brandenburg, 24.2.2010

Herzinfarkt nicht nur Männersache

Frauen werden durch unklare Beschwerden häufig später behandelt als Männer. Laut dem Berliner Herzinfarktregister kommen Frauen mit Herzinfarkt etwa 30 Minuten später ins Krankenhaus als Männer.

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Welt

Berliner Herzmedizin ist Spitze

Von Tanja Kotlorz 18. November 2008, 02:52 Uhr

Kliniken der Hauptstadt liegen im Bundesvergleich vorn - 1830 Herzinfarkt-Patienten gerettet

In Berlin sterben weit weniger Menschen an einem Herzinfarkt als in anderen Regionen Deutschlands. Diese positive Gesundheitsnachricht haben gestern der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jonitz und der Vorsitzende des Berliner Herzinfarktregisters e.V. (BHIR) sowie Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie der Klinik Medical Park Berlin Humboldtmühle, Professor Heinz Theres, mitgeteilt. Statistisch betrachtet starben in Berlin im Jahr 2006 demnach 22,8 Menschen pro 100 000 Einwohner an einem Myokardinfarkt. Der Bundesdurchschnitt liege mit 72,8 Gestorbenen pro 100 000 Einwohnern weit darüber.

Kammerpräsident Jonitz lobte die "außergewöhnlich gute Versorgung der Herzinfarktpatienten in Berlin". Die hiesigen Kliniken seien "bundesweit Spitze". Auch der BHIR-Vorsitzende Theres sieht in der "guten Qualität der Versorgung von Herzinfarktpatienten" eine Ursache für die niedrige Sterberate in Berlin. Da es sich beim akuten Herzinfarkt um einen stationär zu behandelnden Notfall handele, spiele die notärztliche Erstversorgung und die stationäre Versorgung eine "herausragende Rolle", sagte Birga Maier, Leiterin der wissenschaftlichen Dokumentationsstelle des BHIR am Zentrum für innovative Gesundheitstechnologie der TU Berlin.

Grundsätzlich müssen Klinikärzte und ambulante Mediziner Herzinfarkte nicht melden. Die Statistik des Berliner Herzinfarktregisters beruht daher auf einer freiwilligen Erhebung von 26 Berliner Kliniken, die seit zehn Jahren die Infarktzahlen dokumentieren. Zu den Kliniken, die sich am Register beteiligen, gehören beispielsweise die Universitätsklinik Charité, das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn, das Martin-Luther-Krankenhaus in Wilmersdorf, die Vivantes-Klinika im Friedrichshain, in Hellersdorf, Neukölln, Prenzlauer Berg, Spandau und Am Urban.

Seit 1999 haben diese Herzinfarkt-Register-Kliniken 15 000 Patientendaten erfasst. Das Ziel der Erhebung: Erfassung der Daten, der Diagnostik und der Therapie; interne und externe Qualitätssicherung der Versorgung; Effizienzsteigerung einzelner Krankenhäuser.

Nach Auskunft des BHIR-Vorsitzenden Theres sei die Krankenhaussterblichkeit in Berlin sogar kontinuierlich gesunken. Innerhalb von acht Jahren (von 2000 bis 2007) sei die Mortalität von 12,2 Prozent auf 6,7 Prozent gesunken. Dies entspräche 1830 geretteten Herzinfarktpatienten, die seit 2000 gestorben wären, wenn die Krankenhaussterblichkeit gleich geblieben wäre. Noch beeindruckender sei der Rückgang der Sterblichkeit bei sogenannten Hochrisikopatienten wie ältere Patienten oder Zuckerkranke. So sei bei den Patienten über 80 Jahren, die mit einem Herzinfarkt in eine Berliner Klinik eingeliefert wurden, die Krankenhaussterblichkeit von 26,4 Prozent (in den Jahren 2000/2001) auf 13,8 Prozent (in den Jahren 2006/2007) zurückgegangen. Dies entspräche hochgerechnet 1080 geretteten Patienten seit dem Jahr 2000.

Beim Herzinfarkt verstopft ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel. Die Folge: Herzzellen sterben unwiederbringlich ab, der faustgroße Muskel kann seine volle Pumpleistung nicht mehr bringen (schlägt mehr als 100 000 Mal am Tag, etwa fünf Liter Blut pro Minute). Lebensgefahr! Deshalb zählt jeder Minute (112 anrufen). Je früher ein Infarktpatient richtig versorgt wird, umso mehr Gewebe überlebt. Die Versorgung von Herzinfarktpatienten besteht aus der Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mit Hilfe eines Katheters sowie einer Medikamenten-Therapie.

Nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung sind 2006 insgesamt 7648 Berliner in den Krankenhäusern wegen eines Herzinfarkts behandelt worden. 777 starben am Myokardinfarkt.

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Ärzte Zeitung 18.11.2008

Bei Herzinfarkt stehen in Berlin die Chancen gut

Zahlen belegen, dass sich die Versorgung stetig verbessert hat / Klinik-Sterblichkeit seit 2000 halbiert

BERLIN (ami). Herzinfarkt-Patienten werden in Berlin so gut versorgt wie sonst nirgends in Deutschland. Das zeigen Daten aus dem Berliner Herzinfarktregister und dem bundesweiten Herzbericht.

"Wir können belegen, dass wir nicht nur bundesweit Spitze, sondern auch jedes Jahr besser geworden sind", sagte der Präsident der Berliner Ärztekammer Dr. Günther Jonitz am Montag anlässlich eines Symposiums zur Versorgungsrealität bei Herzinfarkt in Berlin. Der seit 1989 erscheinende Herzbericht von Dr. Ernst Bruckenberger kommt zu dem Ergebnis, dass die Herzinfarkt-Sterblichkeit in Berlin mit 22,8 pro 100 000 Einwohner bundesweit am geringsten ist.

In Brandenburg ist die Sterblichkeit am höchsten.

Im Nachbarland Brandenburg ist sie mit 106 pro 100 000 Einwohner am höchsten. Altersbereinigt liegt die Herzinfarkt-Sterblichkeit in Berlin um 66 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. "In der gesamten Herzinfarkt-Versorgung schneidet Berlin sehr günstig ab", so Bruckenberger. Nur bei den Kosten falle die Hauptstadt negativ auf.

Berlin verfügt nach Angaben des Berliner Herzinfarktregisters (BHIR) über 36 Kliniken mit Akutversorgung bei Herzinfarkt, 18 Notarztwagenstützpunkte und 33 Kathetermessplätze in 19 Kliniken. Zum Vergleich: In ganz Brandenburg gibt es 14 Kathetermessplätze, davon vier im Berliner Umland. "In diesem Bereich ist das Geld der Krankenkassen sinnvoll investiert", so das Fazit von Jonitz. Die Daten des BIHR aus 22 Krankenhäusern in Berlin belegen, dass sich dort die Herzinfarkt-Versorgung stetig verbessert hat. Die Krankenhaus-Sterblichkeit hat sich von 12,2 (2000) auf 6,7 Prozent (2007) fast halbiert.

Überdurchschnittlich gesunken ist dabei die Sterblichkeit von Frauen und von Hochaltrigen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Patienten mit - laut Leitlinien indizierter - Katheterinterventionen in den ersten 90 Minuten nach Infarkt von 32,9 auf 84,8 Prozent. Auch die Begleit- und Entlassungsmedikation entspricht nach Angaben des BIHR immer häufiger den Leitlinien der Fachgesellschaften.

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Deutsches Ärzteblatt 17.11.2008

Herzinfarkt: In Berlin niedrigste Sterberate deutschlandweit

Montag, 17. November 2008

Berlin – 22,8 Menschen pro 100.000 Einwohner starben 2006 in Berlin an den Folgen eines akuten Herzinfarkts. Das sind 66 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt (72,8 Gestorbene pro 100.000 Einwohner). Das geht aus dem 20. sogenannten Herzbericht hervor, den das Berliner Herzinfarktregisters (BHIR) und die Ärztekammer Berlin am Montag vorstellten.

Nach Angaben des BHIR-Vorsitzenden Heinz Theres liegt eine Ursache für die niedrige Sterberate in der guten Qualität der Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin gemessen an der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. „Dies können wir aufgrund des überdurchschnittlichen Engagements für Qualitätssicherung der Berliner Kardiologen, die nunmehr im zehnten Jahr im Rahmen des BHIR Daten sammeln, zeigen“, sagte Theres.

Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, betonte die besondere Bedeutung des BHIR für die Herzinfarktversorgung in Berlin. „Berlin nimmt leider bei vielen Krankheiten, bedingt auch durch soziale Umstände, eine traurige Spitzenposition ein. Dem können wir nur mit einer herausragenden Medizin begegnen. Diese wird im Bereich der Herzinfarktversorgung geleistet“, sagte Jonitz.

Der Herzbericht wird seit 1989 von Ernst Bruckenberger veröffentlicht. Er ist die bisher umfangreichste sektorenübergreifende Versorgungsanalyse zur Kardiologie und Herzchirurgie in Deutschland. Neben einem Überblick über die aktuelle Situation und Entwicklung der stationären Morbidität und Mortalität ausgewählter Herzkrankheiten nach Geschlecht und Altersgruppen stellt er die Angebots- und Leistungsstruktur der Kardiologie und der Herzchirurgie in Deutschland dar. © hil/aerzteblatt.de 

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Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel vom 30.05.2006

Die Notarztwagen funktionieren: Es sterben weniger Menschen

Walter Thimme über die Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin Die alten Herzinfarkt- Patienten sind noch unterversorgt Walter Thimme, Kardiologe

Seit fünf Jahren sammelt das Berliner Herzinfarktregister Daten zur Behandlungsqualität von Herzinfarktpatienten in 15 Berliner Krankenhäusern. Wie sieht die Situation in Berlin aus?

Die kardiologische Versorgung in Berliner Krankenhäusern ist im bundesweiten Vergleich sehr gut. Und sie ist in den vergangenen fünf Jahren immer besser geworden. So hat sich die Sterblichkeit infolge eines akuten Herzinfarktes von 13 Prozent 1999 auf acht Prozent 2004 verringert. Und die Rate der Patienten, die mit eröffnenden Maßnahmen – also eine Herzkatheterbehandlung mit einer Weitung verengter Gefäße und einer Versorgung mit Stents zum dauerhaften Offenhalten der Adern – von 60 auf 80 Prozent erhöht.

Woran liegt es, dass Berliner so gut versorgt sind?

Berlin hat eine große Zahl guter wohnortnaher Kliniken. Dazu kommt das hervorragende Notarztwagen-System in der Stadt. Auf den Berliner Notarztwagen tun im Gegensatz zu anderen Regionen Internisten, Kardiologen und Anästhesisten ihren Dienst. Anderswo in Deutschland sind das oft auch mal Orthopäden oder Chirurgen. Deshalb ist in Berlin auch die Behandlung von Herzinfarkten schon im Notarztwagen sehr gut. Außerdem ist die Gefahr von „Irrläufern" geringer, also einer Einlieferung von Herzinfarktpatienten in Kliniken, die für deren Versorgung nicht ausgestattet sind.

Ist hier alles wunderbar oder gibt es auch Defizite?

Es gibt natürlich noch Verbesserungspotenziale: Im Krankenhaus bestehen sie zum Beispiel in der Wartezeit, die zwischen der Aufnahme des Patienten und einer Herzkatheterbehandlung vergehen. Derzeit sind es im Durchschnitt zwischen 1,5 und zwei Stunden. Das ist zu lang, denn beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Und dann gibt es da Defizite außerhalb des Krankenhauses. Nur 45 Prozent der Menschen mit einem akuten Herzinfarkt kommen mit dem Notarztwagen in die Klinik. Das ist immer noch zu wenig, auch wenn das im Vergleich zum Bund ein guter Wert ist. Ein anderes Problem in der Versorgung ist die Rehabilitation nach der Krankenhausbehandlung. Viele Patienten gehen gut versorgt aber ohne organisierte Reha nach Hause. Da muss sich was ändern. Das gilt auch für die ambulanten Versorgung der Patienten. Es ist überraschend, wie wenig Risikopatienten von ihren Ärzten prophylaktisch zur Herzinfarktvermeidung behandelt wurde. Gerade mal ein Fünftel der Herzinfarktpatienten, die unter dem Risikofaktor Bluthochdruck litten, waren von ihrem Arzt mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln behandelt worden.

Es heißt auch oft, dass Frauen bei einem Herzinfarkt schlechter versorgt werden als Männer. Können das die Daten des Herzinfarktregisters bestätigen?

Das konnten wir nicht bestätigen. Männer und Frauen werden gleich gut behandelt. Aber tatsächlich ist die Sterblichkeit bei einem Herzinfarkt bei jüngeren Frauen deutlich höher, aber speziell bei solchen Frauen, die unter Diabetes leiden. Das ist eine besondere Risikogruppe.

Und die Versorgung älterer Menschen?

Gerade bei älteren Herzinfarktpatienten über 75 Jahren werden weniger häufig alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, als bei unter 75-Jährigen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. So sind die Behandlungsleitlinien der großen Fachgesellschaften nicht für über 75-Jährige gemacht, weil man für diese Therapieempfehlungen oft Studienergebnisse berücksichtigt. Und solche Studien werden nun mal meist mit Menschen um die 55 gemacht. Dabei sind es gerade die Älteren, die von den Behandlungen am meisten profitieren: Unter 75 Jahren sterben weniger als zehn Prozent der Herzinfarktpatienten, über 75 sind das mehr als 20 Prozent.

Welche Daten werden im Herzinfarktregister erfasst?

Die Daten von allen Patienten, die mit einem akuten Herzinfarkt in eine der 15 teilnehmenden Berliner Kliniken gebracht werden. Das sind rund 20 Prozent der jährlich 10.000 Herzinfarkte in Berlin. Das sind natürlich die persönlichen Angaben, wie Alter und Geschlecht. Dann Daten dazu, wie die Patienten ins Krankenhaus kamen, also ob mit dem Notarztwagen, ob sie von Familienangehörigen eingeliefert wurden oder selbst kamen. Dann die Anamnese, also welche Risikofaktoren – etwa Diabetes, Zigarettenkonsum oder hoher Blutdruck – vorlagen und wie der Infarkt behandelt wurde, zum Beispiel mit einem Herzkatheter und einem Stent oder ob man den Verschluss des Herzgefäßes mit gerinnungshemmenden Medikamenten aufgelöst hat. Und schließlich werden Daten zur Ergebnisqualität erhoben, also zur Sterblichkeit und ob es Komplikationen gab, wann der Patient entlassen werden konnte oder wo die Rehabilitation stattfand. Biometriker haben uns versichert, dass wir damit weit über die das System der BQS hinausgehen und dass sich die Daten sehr wohl für einen öffentlichen Leistungsvergleich eigneten. Das ist auch geplant. Doch zunächst müssten dem alle Kliniken zustimmen.

Walter Thimme (69) ist Internist und Kardiologe, Vorsitzender des Berliner Herzinfarktregister-Vereins und Herausgeber des Arzneimittelbriefes. Das Interview führte Ingo Bach.

Mehr Informationen im Internet:

www.herzinfarktregister.de

 

 

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Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel vom 23.11.2004

 

Wenn sich die Brust zusammenschnürt

Daten des Berliner Herzinfarktregisters zeigen:
Nach wie vor kommen viele akut Herzkranke zu spät in die Klinik

Herzinfarkt und Todesangst – das gehört zusammen. Und doch: An einem Infarkt muss man meist nicht mehr sterben, sofern er sofort behandelt wird. In den letzten Jahren wurden zunehmend wirksamere Verfahren entwickelt und sie werden im medizinischen Alltag meist auch angewandt.

Der Anteil der Infarktpatienten, die in einem Berliner Krankenhaus sterben, sinkt stetig und das liegt nicht allein an der verkürzten Verweildauer. Ob die Entwicklung überall so positiv ist, kann man nicht sagen. Sicheres weiß man in Berlin – wie auch anderswo – nur über jene Kliniken, die genau registrieren, in welchem Alter und welcher Verfassung die Kranken sind, wie sie behandelt werden und welchen Nutzen ihnen das bringt. In der Geburts- und Krebsmedizin werden solche Register schon lange geführt. Sie haben nicht nur die Patientenversorgung in den beteiligten Kliniken verbessert, sondern auch die Wissenschaft weitergebracht.

Seit einiger Zeit gibt es auch kardiologische Register, anonymisiert und von Datenschützern abgesegnet. In Berlin führten Kardiologen 1999 ein Herzinfarktregister ein, angesiedelt beim Insitut für Gesundheitswissenschaften der TU und mitgetragen von der Ärztekammer sowie einer großen, wechselnden Zahl von Krankenhäusern.

Eine Zwischenbilanz zog jetzt, auf einer überregionalen Tagung in der Ärztekammer Berlin, der gemeinnützige Verein "Berliner Herzinfarktregister", dessen Ziel es ist, die Vorbeugung, Erkennung und Behandlung des Infarktes zu verbessern.

Der Trend ist positiv, es ließe sich aber noch viel mehr erreichen, wenn die Behandlung schneller beginnen könnte, wie der Vorsitzende des Vereins, der Kardiologe Walter Thimme, sagte: Noch immer, so ergab die Auswertung des Registers, kommen 40 Prozent der akut Herzkranken erst drei Stunden nach dem Infarkt oder noch später ins Krankenhaus, ein Zehntel sogar erst nach zwölf Stunden. Und viele rufen zuerst den Hausarzt oder lassen sich von Angehörigen ins nächstbeste Krankenhaus fahren. Nur 46 Prozent wählen die Notfallnummer 112 – das einzig Richtige, denn jede Minute zählt.

Die Feuerwehr kennt die Kliniken mit kardiologischer Kompetenz und kann einen Notarztwagen schicken, in dem die Behandlung schon anfängt, um das Absterben des nichtdurchbluteten Herzmuskelbezirks noch zu verhindern. Die Information der Bevölkerung wie auch die Kommunikation mit den Patienten im Krankenhaus beeinflussen den Krankheitsverlauf und gelten daher als wichtige Qualitätskriterien. Hier wurden Defizite festgestellt, die das Register aber nicht ausreichend erfasst. "Qualitätsmanagement ist ein lernendes System, per Knopfdruck lässt sich Qualität nicht einführen", sagte der Nürnberger Kardiologe Martin Gottwik. Eines aber konstatierten die Herzspezialisten aus verschiedenen Regionen übereinstimmend: In allen an Registern beteiligten Kliniken ist die Behandlung besser geworden. Sie wissen nun, was sie tun, wie sie im Vergleich mit anderen stehen und an welchen Mängeln sie noch arbeiten müssen. Die Wissenschaft aber gewinnt durch solche Register Daten, auf denen die Versorgungsforschung aufbauen kann – mit dem Ziel einer real existierenden Patientenversorgung, die dem Stand der medizinischen Wissenschaft entspricht.

Auf dem Berliner Herzinfarktregister zum Beispiel basieren schon eine ganze Reihe medizinischer Dissertationen und gesundheitswissenschaftlicher Magisterarbeiten. Auch gesundheitspolitische Folgen sind bereits erkennbar. Im Konkurrenzkampf werden die Krankenhäuser nur durch nachgewiesene Qualität bestehen können. In Schweden kann man im Internet nachsehen, in welchem Krankenhaus nur fünf Prozent und in welchem 20 Prozent der Infarktpatienten sterben, berichtete Anselm Gitt (Herzzentrum und Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen). Solche Zahlen können jedoch täuschen. Werden in eine Klinik vielleicht die schwersten Fälle eingeliefert, weil sie besondes gut ist? Liegen im Einzugsgebiet eines Krankenhauses womöglich besonders viele Pflegeheime mit sehr alten Patienten?

Vernünftiger scheint eine Vereinbarung des Berliner Senats mit den Krankenkassen, die Thimme gegenüber dem Tagesspiegel erwähnte: Infarktpatienten sollen künftig nur noch in Kliniken mit günstigen Voraussetzungen behandelt werden – vom ständig bereitstehenden Herzkatheder-Team bis zu qualitätssichernden Maßnahmen wie der Beteiligung am Herzinfarktregister. Mit Kliniken, die nicht die bestmögliche Kompetenz nachweisen können, werden die Kassen dann sicher keine Verträge mehr abschließen. Rosemarie Stein

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